Goldenes Gässchen

Goldenes Gässchen

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Goldenes Gässchen - Zlatá ulička

Publikumsmagnet Goldenes Gässchen

Das Goldene Gässchen befindet im nordöstlichen Teil der Prager Burg. Zwischen dem Weißen Turm und dem Turm Daliborka stehen 16 sehr kleine - pastellfarbene Häuser. Diese beiden Attribute geben den Häusern eine malerische, fast märchenhafte Note, womit das Goldene Gässchen zu einem Publikumsmagnet wurde.

In neun der Häuser sind Dauerausstellungen angesiedelt, die das Leben in der Gasse bis zur Enteignung im Jahr 1953 zeigen. In den restlichen sieben Häusern können Souveniers erworben werben.

Goldenes Gässchen
Bildquelle: Jorge Valenzuela A, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Goldenes Gässchen - Geschichte

Die 16 Häuser befinden sich in der Zwingeranlage der Prager Burg, direkt an der Zwingermauer, die für die Sicherheit von Vladislav II. erbaut wurde, der 1483 auf die Burg zog. Rudolf II. erlaubte dann im Jahr 1597 bestimmten Burgschützen an dieser spätgotischen Mauer kleine Häuser für sich auf eigene Kosten zu errichten.

Entlang der Mauer in der Zwingeranlage verbindet ein Gang die zwei zuvor genannten Türme. Dieser Gang befindet sich am oberen Teil der Mauer und wird mit Pfeilern und Bögen stabilisiert. Genau unter diesen Bögen (und nicht weiter in die Gasse) durften die Schützen ihre Häuser errichten. Hinter der Mauer geht es steil ab in den Hirschgraben natürlicher Herkunft.

Goldenes Gässchen bei Nacht
Bildquelle: flydime, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Umbauten und Erweiterungen

Die nachfolgenden Eigentümer-Generationen nahmen einige Veränderungen an ihren Wohndomizilen, vor allem Erweiterungen vor. Verbotenerweise wurden zunächst Fenster in Richtung Graben eingebaut. Gegenüber an der romanischen Mauer wurden Bauten wie z.B. Holzschuppen oder ein Kochraum errichtet. Danach folgten Anbauten direkt am Haus (Vorräume) oder Tiergehege, Unterkellerung, Teilung des Raumes in zwei Etagen oder auch Zusammenfassung von zwei Häusern zu einem. Um weiteren Platz zu gewinnen wurde sogar das Mauerwerk von Innen abgetragen. Zum Schluss wurde auch der Gang aufgeteilt, der die zwei Türme verbindet und so die Häuser in der Höhe erweitert. Das geschah nachdem 1784 die Schützengarde abeschafft wurde. Trotzdem blieb noch ein schmaler Durchgang zwischen den Türmen weiterhin vorhanden.

Die Häuser tragen die Hausnummmern 12 bis 27. Die 12 und 14 haben ihr Haus sogar über die ganze Straßenbreite gespannt. Die 12 hat dabei einen Durchgang zu 13 und 14 frei gehalten. In den 60er Jahren des 19. Jhdt. wurden diese zwei Häuser zurückgebaut. Etagenhäuser sind noch heute die 12, 18, 20, 23, und 24. Keller haben die Häuser 12, 16–18, 20 a 22–25. Vorräume haben alle Häuser bis auf 12, 13 und 14. Bei der ersten großen Sanierung von 1864 wurden alle Objekte an der gegenüberliegenden Straßenseite entfernt. Dem Original-Haus aus dem 16. Jhdt. kommt die 13 am Nächsten, die gleichzeitig das kleinste Haus der jetzigen Häuser ist. Die 20 zeigt am Besten die vorgenommenen Umbauten im Laufe der Jahrhunderte.

Leben und Bewohner

Wie gesagt lebten zunächst Burgschützen und ihre Familien in den errichteten Häusern. Später kamen Turmwächter, Pförtner, Schaffer, Kappelmeister, Glöckner oder auch ein Notar hinzu. Im Haus 12 trafen sich Literaten wie z.B. Vítězslav Nezval und der Nobelpreisträger Jaroslav Seifert. Im Haus 22 lebte mehrere Monate Franz Kafka. Im Jahre 1953 wurden die Häuser enteignet und saniert und bekamen eine schöne Fassade. Fortan wurden die Häuser nicht mehr bewohnt, sondern dienten nur noch touristischen Zwecken.

Bei der nächsten Sanierung 2010-2011 wurden umfangreiche archäologische Arbeiten durchgeführt, bei denen der zeitliche Umbau der Häuser protokolliert werden konnte. Bei der Auswertung von Porzellanfundstücken wurde sogar chinesisches Porzellan aus der Zeit der Ming-Dynastie oder der frühen Qing-Dynastie gefunden. Mit Hilfe von Spezialisten aus dem Filmstudio Barandov wurde die Inneneinrichtung der Häuser erneuert, aber so, dass sie älteren Datums wirken.

Eine Wasserleitung wurde in das Goldene Gässchen 1877 gelegt. Das Wasser kam aus einem Brunnen außerhalb des Grundstückes. Richtige Kanalisation wurde im Goldenen Gässchen erst im 19. Jahrhundert erbaut. Zuvor gab es nur zwei offizielle Trockentoiletten im Weißen Turm und im Haus Nr. 13 (Extra-Zugang von der Straße mit einem dezenten Hinweis "Hier"). Später war auch in der 18 eine Toilette. Notdurft wurde aber auch durch die Mauer in den Graben entleert.

Rundgang Goldenes Gässchen

Am Schnellsten erreichst du das Goldene Gässchen, wenn du an der Metro-Station "Malostranská" aussteigst und dich die Treppe hoch zu der Burg begibst. Wenn du den Schwarzen Turm passiert hast, ist das Goldene Gässchen rechter Hand.

Auf der Prager Burg gibt es zwei kostenpflichtige Touristenführungen. Der große Rundgang schließt auch die Besichtigung des Goldenen Gässchen ein. Die Tickets sind zwei Tage gültig. Ohne Ticket kann man das Goldene Gässchen nach den Schließungszeiten (16 Uhr bzw. 17 Uhr in den Sommermonaten) auch durchlaufen. Die Häuser sind dann allerdings zur Besichtigung und zum Kauf von Souvenieren geschlossen.

Der vorläufige Name dieses Gässchen "Goldene Straße" geht eher auf den Humor der Böhmen zurück eine ärmliche Straße so zu bezeichnen als dass in der Straße Goldmacher und Alchemisten wohnten und wirkten. Dafür wurde nämlich keinerlei Beleg gefunden.

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Bildquelle: Lynx1211, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Bildquelle: Suisant7, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons