Wortstellungsunterschiede, Teil 2 – Satzklammer

Heute fahren wir mit dem zweiten Unterschied in der Wortstellung zwischen dem Tschechischen und dem Deutschen fort. Es geht um die Satzklammer, also um das typische Phänomen der deutschen Sprache mehrteilige Prädikate o.ä. von einander trennen zu können und somit andere Satzglieder „einzuklammern“.

Was eine Satzklammer ist, ist bestens kurz und bündig bei canoo erklärt.

Zum Beispiel im Satz

dt. Ich habe mich rasch entschieden.

beginnt die Satzklammer mit ‚habe‘ und sie endet mit ‚entschieden‘. Dazwischen liegt eingeklammert ‚mich rasch‘.

Wie sagt man diesen Satz nun auf Tschechisch? Ganz einfach, man klammert keine anderen Teile im Satz ein, sondern man reiht die zwei Teile des Prädikats hintereinander auf:

tsch. Rozhodl jsem se rychle.

Weitere Beispiele:

dt. Ich fahre in zwei Wochen in den Urlaub weg.
tsch. Odjíždím na dovolenou za dva týdny. (In diesem Fall ist es nur ein Wort, s. Teil 1 der Serie.)

dt. Ich muss schon nach Prag fahren.
tsch. Musím jet do Prahy.

Im letzten tschechischen Beispielsatz ist zwischen ‚musím‘ und ‚jet‘ doch noch etwas eingeklammert: ‚už‘ (dt. schon). ‚už‘ ist ein Enklitikum, hier kommt die Regel zum Tragen, dass ein Enklitikum immer an der zweiten Stelle im Satz liegt und diese ist stärker als alle anderen Regeln in der tschechischen Syntax. Siehe Artikel über die Wackernagelposition. Aus dem gleichen Grund steht im mittleren Beispielsatz ‚rozhodl‘ vor ‚jsem‘, weil ‚jsem‘ ein Enklitikum ist.

Teil 1: Trennbare Präfixe

5 Kommentare

  • MarkusK

    Aber „jsem“ ist doch hoffentlich nur ein Enklitikum wenn es zur Bildung der Vergangenheit als Hilfsverb verwendet wird oder irre ich mich da?
    Gibt es zwischen den Enklitikas eigentlich eine festgelegte Reihenfolge? Oder kann ich zum Beispiel im Satz „Dnes jsem se už učil“ die drei Enklitikas beliebig gruppieren?

    • Ja, „jsem“ ist nur als Hilfsverb ein Enklitikum. Da irrst du dich nicht.
      Ja, die Reihenfolge der einzelnen Enklitika ist festgelegt. Es gibt da Regeln, die die Reihenfolge der (bis zu 10/20?) Enklitika untereinander bestimmen, z.B. dass das Dativpronomen vor dem Akkusativpronomen steht. Bei deinem Beispielsatz sind diese Enklitika-Kombinationen möglich:
      “Dnes jsem se už učil”
      “Dnes už jsem se učil”

      Die Enklitika-Reihenfolge-Regeln werde ich nachliefern.

  • Juliane

    Ich muss mal leise Zweifel anmelden, bin aber selbst nicht 100% sicher. Zu Deinem mittleren Beispielsatz.

    Würde man deutsch wirklich sagen: Ich fahre in zwei Wochen in den Urlaub weg? Das klingt für meine Ohren wie eine Übersetzung aus dem Tschechischen, mit Präpositionsgebrauch.
    Meine Idee dazu: Ich fahre in zwei Wochen in den Urlaub. Das impliziert das Wegfahren. Oder Ich fahre in zwei Wochen weg, in den Urlaub. Allerdings erfährt der Satz hier eine leichte Bedeutungsverschiebung.

    Kannst Du nochmal erklären,warum Du in dem Satzbeispiel’Odjíždím‘ verwendet hast und nicht ‚Odjedu‘?
    LG

  • Hallo Juliane,

    zu deinem ersten Punkt: Der dt. Satz ist einem deutschen Korpus entnommen (irgendjemand hat ihn so gebraucht). Dann wurde dieser Satz übersetzt und mit dem deutschen Satz verglichen.

    Zu deinem zweiten Punkt: Aspekt kann kein Mensch erklären. Man kann sich der Aspektverwendungserklärung nur annähern. Dennoch ein paar Worte zu diesem Beispiel Mit „Odjedu“ würde man die Handlung (das Wegfahren) viel zu stark (unnötig) in den Vordergrund stellen. „Odjíždím“ ist handlungsstark genug.
    Und vielleicht noch (mein persönliches Emfinden): Wenn du „odjedu“ sagst, erwartet man, dass als Folge davon etwas (persönliches/emotionales) passiert…
    Nach dem Motto: „Ich fahre weg und dann habe ich meine Ruhe“. Mit „Odjíždím“ geht es nicht so gut.

    Andere Blogleser können auch schreiben, wo sie denn Bedeutungsnterschied zwischen „Odjíždím“ und „Odjedu“ sehen.

  • Juliane

    Verstehe. Klingt gut für mich als Erklärung. Ich hab mehr in die Richtung gedacht, dass ein Abfahren in den Urlaub nur ein kurzer Punkt ist und für dieses „Dann hab ich meine Ruhe“ hätte ich ne andere Präposition erwartet: ‚u‘ oder so was.

    Díky.

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