Jan Hus als Orthografie-Reformator

Wer war Jan Hus?

Jan Hus (verstorben 1415) ist als Kirchen-Reformator bekannt. Da er nicht seine Lehren widerrufen wollte, musste er auf dem Scheiterhaufen (tsch. hranice) sterben. Der Tag seines Feuertodes, der 6.7. ist seit 1925 gleichzeitig ein tschechischer Staatsfeiertag.

Weniger über Jan Hus ist bekannt, dass die tschechische Sprache ihm eine Vereinheitlichung und Reformierung der tsch. Orthografie zu verdanken hat. Er hat in seinem Werk Orthographia Bohemica drei grundlegende orthografische Änderungen vorgeschlagen, die nach und nach übernommen wurden.

Jan Hus Einfluss auf die tschechische Sprache

1. Lange Vokale werden nun mit einem langen Strich von links unten nach rechts oben gekennzeichnet.

Beispiel:
pátá (dt. fünfte) vs. pata (dt. Ferse)
hrabe

2. Digraphe werden durch einen Buchstaben mit einem diakritischen Zeichen ersetzt. Jan Hus hat vorgeschlagen einen Punkt über die Konsonanten zu setzen. Eingebürgt hat sich aber der háček.

Beispiel:
Statt „rz – rrz – rs – rzs – rzss – zr – sr – rzs – rzz“, die zu Zeiten von Jan Hus verwendet wurden, schreibt man nun einheitlich Ř.

Die letzten zwei tschechischen Diagraphe sind ch und dž. Die meisten Diagraphe hat wohl die deutsche Sprache.

3. Beibehaltung des Unterschieds zwischen y und i, obwohl sie gleich ausgesprochen werden.

Beispiel:
být (dt. sein) vs. bít (dt. schlagen)

4. Jan Hus hat sich gegen die Dipthongierung von Vokalen (jednu -> jednou) ausgesprochen, die sich schon zur seiner Zeit angefangen hat einzuschleichen. Durch seine Reform und durch die frühe Verschriftlichung des Tschechischen wurde die Diphtongierung mehr oder weniger aufgehalten.

5. Die frühe Verschriftlichung bremste die Entwicklung der schriftlichen Sprache. Anderen slawischen Völkern kommt die tschechische Sprache archaisch vor.

Orthographia Bohemica

Jan Hus gilt als der Urheber der Orthographia Bohemica, es ist aber nicht bewiesen.  Das Werk wurde 1826 von František Palacký gefunden und dabei handelte sich auch nicht um das Original-Manuskript, sondern um eine Kopie eines Mönchs.

 

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